So, bevor ich heute Abend bereits ins nächste Abenteuer starte, möchte ich euch natürlich noch von der Frage erlösen, ob unser erster Auftritt bei der Indie Week nun in einem Desaster oder Freudenrausch endete…
Nachdem mich meine Jungs davon überzeugt hatten, dass wir einen Spontan-Gig mit Bravour meistern würden, brach ein hektisches Treiben zwischen und in den einzelnen Zimmern aus. Glücklicherweise waren wir bereits alle gewaschen und sahen umwerfend aus, so dass wir nur noch das Equipment zusammensuchen mussten.
Wollte man den restlichen Abend zusammenfassen dann wohl so: sie kamen, spielten und siegten:-)))
Zugegeben war mir bis zu diesem Abend überhaupt nicht bewusst gewesen, dass dem Festival auch ein Wettbewerb zugrunde lag, dessen erste Etappe wir an diesem Abend für uns entscheiden sollten. Es war sehr beeindruckend zu sehen, wie zwei jungen Männern, die relativ dicht an der Bühne standen, die Kinnlade im Laufe des Abends immer weiter heruntersackte – ich meine sogar dünne Sabberfäden entdeckt zu haben. Das lag allerdings wohl weniger an mir, sondern vielmehr an Michael Becker, der mit seinem Cello Dinge tat, die man in Kanada bis zu diesem Zeitpunkt anscheinend noch nicht gesehen hatte…
Und auch Micha, den am Mittag noch eine mittelschwere Erkältung geplant hatte, war wie von Zauberhand gesundet – was Musik alles bewirken kann…HERRLICH:-D
Beseelt von euphorischen Komplimenten und einer homöopathischen Dosis Alkohol schliefen wir an diesem Abend ein…
Da in den nächsten Tagen einige Showcases auf unserem Kalender standen, entschlossen wir uns, von unserem “Hotel” in Mississauga in ein Hostel direkt nach Toronto umzusiedeln.
Die Erwartungen waren groß: freies Internet, direkt im Zentrum des Geschehens (Chinatown) und zudem spottbillig – was will man mehr?
Als wir dort ankamen, wurde uns dann sehr schnell klar, wie diese großartigen Preise zustande kamen. Mein Zimmer erinnerte stark an den Komfort einer Gefängniszelle – leider fehlte ihm zu diesem Prädikat ein Sternchen, da das Fenster fehlte. Dafür fuhr es mit Sicherheitsstandards der Extraklasse auf. Eine Tür in meinem Zimmer führte direkt nach draußen, in die Freiheit. Als ich nachmittags vom Bummeln zurückkam, entdeckte ich ein großes Schild an meiner Zimmertür, welches mir vorher gar nicht aufgefallen war: Emergency Exit. Aha, das erklärte also die unverschlossene Tür in meinem Zimmer. Allerdings stellte sich mir die Frage, wie alle anderen “Kinder”, wenn ich nicht da war, nach draußen kommen sollten? Denn ich hatte eigentlich nicht vor, meine Zimmertür während meiner Abwesendheit unverschlossen zu lassen…hm….
So heiter der Freitag-Abend begann (es gab Sushi in Hülle und Fülle), so frustrierend endete er dann. Ich möchte an dieser Stelle nur soviel sagen: der Laden hatte keine Bühne und der Barkeeper war zugleich der Soundmann. Keine guten Voraussetzungen für ein gelungenes Konzert!!!
Es konnte also nur besser werden, und das wurde es dann auch…
Beim Halbfinale im “Freetimes Café” stimmte einfach alles!!!
Es gab leckerstes Essen (was die Stimmungskurve gleich um einiges nach oben schnellen ließ), und man kümmerte sich herzlichst um uns.
Auch musikalisch sollte der Abend ein ganz besonderer Genuss werden, da neben uns noch viele andere wirklich sehens- und hörenswerte Künstler auftraten.
Nichtsdestotrotz…es konnte nur einen Gewinner geben, und das waren WIR – YIPEEHYEAH – Antje und Micha, die eigentlich am Samstag hätten fahren wollen, würden also doch noch bis Montag bleiben müssen:-)))
Am Sonntag dann das böse Erwachen. Ich hatte Halsschmerzen, meine Nase war dicht, und ich fühlte mich total schlapp und angeschlagen… Meiner Medikamenten-Abneigung zum Trotz ging ich also in die nächste Apotheke und besorgte mir das stärkste Zeug, was zur freien Verfügung auf dem Markt war.
Ich war eigentlich recht entspannt, denn ich wusste…die richtige medizinische Keule gepaart mit einer großen Ladung Euphorie funktioniert immer!;-)
Da wir gleich als erstes spielen sollten, kamen wir, zum ersten Mal während dieses Festivals, in den Genuss eines Soundchecks.
Unser Auftritt selbst kam dann (zumindest vom Zeitgefühl her) einem kleinen Sekundenschlaf nahe – wir hatten uns gerade auf der Bühne eingerichtet, da mussten wir auch schon wieder runter…. WAHNSINN, WIR HATTEN GERADE IM FINALE GESPIELT….
Entspannung machte sich breit – erstmal was essen gehen!!! Vor lauter Aufregung hatten wir das irgendwie völlig vergessen. Die Jungs lechzten nach Steaks – unser ursprünglicher Plan ein veganisches Restaurant aufzusuchen wurde also kurzerhand über Bord geworfen;-)
In Begeisterung über die vergangenen Tage und uns, saßen wir also im Restaurant und quatschten und quatschten, so dass wir leider einen großen Teil des Finales überhaupt nicht mehr mitbekamen. Egal, wir hatten mehr erreicht, als wir uns jemals erhofft hatten, so dass es am Ende auch egal war, ob wir nun gewonnen hatten oder nicht. Na gut, ganz egal war es uns natürlich nicht, als wir später erfuhren, dass eine andere Band den Preis gewonnen hatte, aber wir waren trotzdem stolz wie Oskar, dass wir es unter die letzten 8 Bands von 170 geschafft hatten…
Da Micha und Antje am nächsten Morgen sehr früh aufbrechen wollten, wurde die exzessive Party auf ein andermal verschoben, was mir aber auch sehr recht war, da die Wirkung der Medikamente langsam nachließ.
Um 5:45 Uhr des folgenden Tages war es dann soweit – die Zeit des Abschieds war gekommen:-(
Antje und Micha wollten sich am nächsten Tag die Wale in Portland anschauen, und mussten sich sputen… der Weg war weit….
Den Rest des Tages hingen Michael und ich (mit müden Augen und einem leeren Gefühl im Herzen) in den kanadischen Seilen, bis auch wir uns ein paar Stunden später auf die Reise zurück in die Heimat machten.
Hach….