Unsere Reise in den Süden sollte früh beginnen – wir hatten eine lange Fahrt vor uns…
Und so holte Michael mich und mein Epuipment in aller Frühe mit seinem Luxusmobil ab.
Jetzt nur noch schnell ‘n Kaffee auf die Hand und los ging’s…
Unter weiser Voraussicht hatte ich keine Jacke eingepackt, denn wir fuhren schließlich in den Süden!!!
Als wir überpünktlich am Veranstaltungsort ankamen, wurden wir von lauten Beats und harten elektronischen Effekten in Empfang genommen. Wir schauten uns beide fragend an… Waren wir hier richtig??? Die Veranstaltungsreihe nannte sich “Silent Friday”, und das was da gerade soundcheckte war wirklich alles andere als leise…
Der Veranstalter war sich aber sicher, dass wir durchaus hierher gehörten, und so vertrieben wir uns die Zeit mit herumlümmeln und flezten uns auf die riesigen Sitzkissen, die man bereits auf dem Boden verteilt hatte.
Unsere Mägen grummelten derweil vor sich hin. Wir hatten den ganzen Tag nichts gegessen und freuten uns, als der Soundcheck fertig war und wir endlich etwas essen gehen konnten.
Zurück im Kulturwerk hieß es dann warten!!! Wir sollten als zweite Band spielen, was aber nicht hieß, dass wir auch der zweite Programmpunkt waren. Neben der ersten Band gab es nämlich noch eine Tanzperformance, eine Lesung und Akrobatik – so dass wir erst um ca. 11:30 Uhr die Bühne betraten.
Irgendetwas schienen wir an diesem Abend richtig zu machen. Zumindest wollte uns das Publikum gar nicht mehr von der Bühne herunterlassen – wir waren selig und sehr, sehr müde!!!
Am nächsten Tag sollte unsere Fahrt nicht ganz so lang werden, deshalb konnten wir ausschlafen und uns von den Strapazen des Vortages erholen. Nürnberg hieß unser Reiseziel – und so fuhren wir entspannt und gleichzeitig gespannt los.
Ich fuhr, und neben mir stand mal wieder die obligatorische Dose Red Bull. Merkwürdig, ich würde mir zuhause oder auch sonst niemals und auf gar keinen Fall Red Bull kaufen, aber auf Tour verhält sich dieser Wachmacher wie Tomatensaft zu Flugzeug…er gehört irgendwie dazu. Wahrscheinlich weil man auf Tour immer latent müde ist…
Der Auftrittsort in Nürnberg, die St. Klara Kirche, befand sich direkt in der Innenstadt. So konnte ich mir noch schnell im Kaufhof ein Oberteil kaufen, welches mein Outfit für den Abend vervollständigen sollte. Dann noch schnell den Sound checken und erstmal etwas Essen gehen…Michael und ich können IMMER essen – eine Gemeinsamkeit, die durchaus seine Vorzüge hat;-)
Da ich mich gerne durch die lokale Küche koste, gingen wir zum “Andechser”, wo wir ein kühles Bayerisches Bier tranken und Fränkisches Schäufele aßen…
Ich wäre total gerne Vegetarier, wirklich…aber ich schaffe es einfach nicht:-(((
Als ich mich auf meinem Zimmer für den Abend fertig machen wollte, stellte ich fest, dass ich das Oberteil, welches ich mir ein paar Stunden vorher noch gekauft hatte, in der Sakristei der Kirche vergessen hatte. Es war schon kurz vor 20 Uhr – jetzt aber schnell!!!
Der Ausgang unseres “Hotels” führte direkt in den Innenhof der Kirche, doch leider gab es noch einen weiteren Ausgang, so dass ich plötzlich direkt auf der Straße stand.
Vor der Kirche standen schon viele Menschen, die Türen waren noch verschlossen, das Tor zum Innenhof ebenfalls, und eine leichte Panik machte sich breit. Die Leute schienen mich zu erkennen, und sich ein bißchen über mich zu amüsieren, wie ich da so aufgeregt durch die Gegend rannte…na super – welch ein Start. Ein Klopfen an die richtige Tür rettete mich und meinen roten Kopf dann glücklicherweise vor Schlimmerem ….PUUUUHHHHH!!!
Das Konzert sollte trotz der anfänglichen “Komplikationen” ein voller Erfolg werden.
Die Kirche war proppevoll, und die Leute hatten anscheinend das Gefühl, ihr Geld richtig investiert zu haben.
Mir selbst fiel an diesem Abend die Kommunikation mit dem Publikum etwas schwerer als sonst, vielleicht weil ich niemanden sah, und meine Stimme im großen Kirchenraum zu verschwinden schien. Trotzdem ist es immer wieder ein atemberaubendes Gefühl in einer Kirche zu singen.
Obwohl ich mich keiner Religion zugehörig fühle, fand ich schon als Kind diese Orte überwältigend.
Überwältigend war auch, dass ich das letzte Exemplar meines zweiten Albums verkaufte – yeah, yeah, yeah:-)))
Nach dem Konzert ging es dann in ein Bierhaus ganz in der Nähe, wo wir erfahren durften, dass der Pastoralreferent der Kirche, Jürgen Kaufmann, früher einmal Filme gedreht hatte:
So z.B. den 3-stündigen “Bond – der Mann von drüben”. Wir amüsierten uns köstlich:-)
Nachdem das Bierhaus, uns endlich herausgekehrt hatte, lud er uns dann noch ins Kirchenbüro zu einem gemeinsamen Whiskey-Umtrunk ein.
Ein 16-jähriger Scotch mit dem Namen Lagavulin, mit stark ausgeprägter Torfnote…aha….soso…
Es folgten Gespräche über Gott und die Welt, und ich war beeindruckt von der Offenheit und Lockerheit, mit der wir uns begegneten. Es gibt Menschen, die diese Welt braucht, und Jürgen Kaufmann ist definitiv einer von ihnen!!!
Unser Ausflug in den Süden war diesmal wirklich jeden Kilometer Anreise wert, und ich freue mich schon sehr auf unseren nächsten Besuch – ES LEBE DIE VÖLKERVERSTÄNDIGUNG;-)))