Januar, Du wunderbarer Monat!!! Nach Weihnachts- und Silvestertrubel, darf der Winter endlich sein wahrhaftigstes Gesicht zeigen… Ein Monat, der es uns erlaubt, nach innen zu schauen. Und der mich ob seiner Klarheit selbst manches klarer erkennen lässt.
Wenn ich auf mich vor einem Jahr zurückblicke, dann sehe ich eine Frau, die voller Tatendrang und Vorfreude auf 2025 blickt. Die mit einem prall gefüllten Rucksack aus Enthusiasmus und Erwartungen loszieht, um ihre neue Musik in die Welt zu tragen. Sie kennt ihr Ziel. Weiß um die Stationen ihrer Reise. Einen Schritt vor den anderen – es ist ganz leicht…
12 Monate später liegt vor mir ein fast weißes Blatt Papier. Keine Straßenkarte. Kein Wegweiser. Keine Koordinaten. Ein kleines Konzert im Norden, ein paar vereinzelte Gigoptionen, vielleicht Theatermusik – aber (noch) nichts wirklich Konkrektes…
Wohin wird mich meine Reise als Künstlerin in diesem Jahr führen? Sollte ich die Regenjacke und die Wanderstiefel mitnehmen, oder tut es auch das leichte Gepäck?
Ja, Leichtigkeit. Wenn ich mir etwas für das neue Jahr wünsche, dann ist es wohl genau dieses Gefühl. Das Gefühl getragen zu werden. Diese kleine Brise von hinten, die mich und meine Träume vorantreibt, und mir das Empfinden nimmt, mir jeden einzelnen Schritt erkämpfen zu müssen.
Doch von welchen Träumen spreche ich überhaupt? Bin ich heute noch die, die ich vor etwa 20 Jahren war, als diese Reise ihren Anfang nahm. Oder halte ich vielleicht doch nur an einer Version meiner selbst fest, die es so in dieser Form gar nicht mehr gibt?
Vor ein paar Monaten saß ich mit einer Kollegin zusammen. Wir unterhielten uns über unseren Beruf und vor allem über das Singen. Sie meinte, dass sie keine Konzerte mehr spielen würde, weil ihr dies keine Freude schenken würde. Ich erinnere mich, dass ich beinahe schockiert war. Wie konnte sie das sagen? Ich hatte sie am Vorabend noch singen gehört und sie als Performerin erlebt. Wie konnte man denn eine Sängerin ihres Formats sein und keine Bühne suchen? Ist es nicht gar unsere Pflicht, die uns gegebenen Talente zu teilen und jede Chance dafür wahrzunehmen?
Und dennoch bewegte ihre Aussage etwas in mir…
Wie wäre es denn, nie wieder ein Konzert zu spielen? Was gibt es mir, auf der Bühne zu stehen? Macht es mich glücklich?
Je mehr Fragen ich mir stellte, desto weiter schob ich die Antworten vor mir her. Wer rüttelt schon gerne an seinen eigenen Glaubenssätzen. Und doch merkte ich, dass bei dem Gedanken, keine Konzerte mehr zu spielen, etwas in mir weit wurde…
Keine Bookinganfragen mehr stellen. Keine Gagen verhandeln. Keine Proben. Kein „Chef“ sein müssen. Keine Promotion. Keine Frage nach dem richtigen Outfit. Kein Soundcheck. Kein Gefühl der Langeweile, wieder einmal die selben Lieder zu spielen. Keine Rückfahrten allein durch die Nacht.
Ja, es gibt sie. Diese magischen Momente, in denen die Musik einfach nur Musik sein darf. Die einem selbst und dem Publikum das Gefühl geben, fliegen zu können. Die Momente, in denen ich loslasse und gemeinsam mit meinen Mitmusikern wachse – in mich hinein und über mich hinaus.
Doch braucht es für diese magischen Momente überhaupt und immer eine Bühne? Oder liegt hinter all dem sowieso etwas ganz anderes? Geht es vielleicht vielmehr um die permanente Suche nach Applaus und Anerkennung? Um diese Sucht nach einer Bestätigung von außen und die leise Frage: Bin ich (gut) genug?
Vielleicht wird dieses Jahr ein Lehrstück dafür sein, mir selbst zu genügen. Eine Lektion darin, Vertrauen zu haben. In meinen Weg. In dieses Leben. Auch ohne Straßenkarte. Ob mit oder ohne Bühne.
Wer leicht sein will muss loslassen. Womöglich auch von dieser Version meiner selbst, die immer wissen will, wo es langgeht. Von den ausgetretenen Wanderstiefeln und dem schweren Rucksack meiner eigenen Erwartungen, wie eine Künstlerin zu sein hat.
Der Weg wird sich zeigen. Einen Schritt vor den anderen – es ist ganz leicht…